Die Eisenbahn der Dolomiten

Im Jahr 1915, während der Erste Weltkrieg wütete, bauten die österreichischen Soldaten eine Schmalspurbahn von Toblach nach Schluderbach (Landro), um die Versorgungslinien an der italienischen Front sicherzustellen. Dort befand sich damals das Hinterland.

Es handelte sich um eine Feldeisenbahn, auf der – wie Evaldo Gaspari in seinem Werk „La Ferrovia delle Dolomiti“ erinnert – Züge mit Dampflokomotiven verkehrten.

Im Frühjahr 1916 errichteten auch die Italiener eine militärische Schmalspurbahn, allerdings mit einer etwas anderen Spurweite: 0,75 m im Vergleich zu 0,70 m der österreichischen Bahn und 1,435 m der sogenannten Normalspur. Diese neue Strecke verband Peaio mit Zuel.

Ein Jahr später begannen die Italiener mit dem Bau einer weiteren Schmalspurbahn in der Region. Doch durch die wechselhaften Kriegsereignisse waren es schließlich die Österreicher, die ihre Strecke bis nach Calalzo verlängerten.

So entstand bereits der Keim jener Bahnlinie, die nach dem Ende des Krieges zur Linie Calalzo–Toblach wurde – für den Transport von Gütern und Personen, mit der in Italien weit verbreiteten Spurweite von 0,95 Metern. Am 15. Juni 1921 wurde die Strecke Calalzo–Toblach mit schlichter Feierlichkeit eingeweiht. Eineinhalb Jahre später erhielt sie den offiziellen Namen: „Ferrovia delle Dolomiti“ – die Dolomitenbahn.

Anfangs fuhren auf der Strecke dieselben Dampflokomotiven, genannt Feldbahnen, die zuvor von den Österreichern genutzt und nach dem Krieg als Kriegsbeute übernommen worden waren. Die Bahn wurde zunächst von der Militärverwaltung betrieben, später vom Königlichen Eisenbahnkreis Bozen, da sich die Italienischen Staatsbahnen (Ferrovie dello Stato) weigerten, die Linie zu übernehmen. 1924 ging sie schließlich in die Hände der SDF – Società per la Ferrovia delle Dolomiti über und wurde somit privatisiert.

Damit begann das goldene Zeitalter des Cortina-Bähnchens: bedeutende Baumaßnahmen machten die Strecke sicherer, neue deutsche Lokomotiven vom Typ Mallet wurden angeschafft. 1927 begann die Elektrifizierung, die 1929 abgeschlossen wurde.

Und so tauchten sie auf: jene weiß-blauen Elektrotriebwagen und Waggons, die bis heute als Symbol dieser legendären Bahnlinie gelten – eine Bahn, auf der königliche Hoheiten, Sportchampions, Schauspieler, Milliardäre, Abenteurer und sogar Schurken reisten.

Es war eine Epoche, die 1964 endete und bei allen Liebhabern unserer wunderbaren Täler eine tiefe Nostalgie hinterlassen hat – so wie es große und schöne Dinge eben tun.

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